Was der Welser Tiergarten für Umwelt- und Klimaschutz tut
- Flor

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Der Welser Tiergarten ist bzw. wird mit einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen möglichst klimaneutral und klimawandelresilient gemacht. Dazu gehören Umstellungen bei den Heizformen, Anregungen zur Nutzung des Öffentlichen Verkehrs und Radverkehrs, Klimaschonende Eigenproduktion bzw. Einkauf von Tiernahrung, Fortbildungen/Führungen zu Umwelt- und Klimaschutz, Klimaneutrale Veranstaltungen, nationale und internationale Kooperationen zu Natur- und Artenschutz unter Beachtung klimapolitischer Aspekte.
Der Welser Tiergarten
Der Welser Tiergarten besteht seit 1930 und ist somit der älteste Zoo Oberösterreichs und der einzige Kategorie A-Zoo Österreichs, der bei freiem Eintritt besucht werden kann. Auf einer Größe von 2,8 Hektar werden etwa 500 Tiere gezeigt. Mit 250 000 Besucher*innen im Jahr ist der Welser Tiergarten eine der wichtigsten Freizeitdestinationen Oberösterreichs. Neben der Tierwelt –inhaltliche Schwerpunkte sind Primaten, Vögel sowie Nutztiere – ist der bis zu 200 Jahre alte Baumbestand ein besonderes Highlight des Tiergartens. Organisatorisch ist der Zoo der Stadtgärtnerei unterstellt; externe Unterstützung kommt von einem ehrenamtlichen Freundschaftsverein. Seit 2021 ist der Tiergarten Mitglied des Klimabündnis.
Die zentrale Frage ist: kann man einen bald Jahre alten Tiergarten technisch, organisatorisch und inhaltlich in Sachen Klimaschutz und Klimawandelanpassung machen – ohne die anderen Anforderungen an den Tiergarten wie Forschung, Artenschutz, Bildung und Freizeit/Erholung zu beeinträchtigen? Grundsätzlich haben wir folgende Arbeitsfelder festgelegt: Gebäude/Heizen, Verkehr, Ernährung, Bildung, Abfallentsorgung sowie Klimawandelanpassung.
Eine Vielzahl an Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Die weiteren sind bereits budgetiert und beschlossen und werden bis 2027, teils im Rahmen der Landesgartenschau, umgesetzt.
Gebäude/Energie
Die Ausgangsbasis war eine Menge unterschiedlicher Heizformen im Tiergarten, vor allem aber Öl- und Gasheizungen. Ein vorhandener Fernwärmeanschluss kann nur bedingt genutzt werden (z. B. im „Neuen Affenhaus“), da das Verlegen der Leitungen das Wurzelwerk des Altbaumbestandes gefährden würde. So wurden das „Alte Affenhaus“ und das Katta- und Sulcattahaus mit Wärmepumpen ausgestattet. Bis 2027 werden alle (zu heizenden) Gebäude des Tiergartens entweder mit Fernwärme oder Wärmepumpen ausgestattet; die Welser Fernwärme wird zu 95 bis 99 % aus thermischer Verwertung von Abfällen erzeugt. Eine thermische Sanierung der Gebäude ist ebenfalls im Gange bzw. wurde umgesetzt.
Die Be- und Entwässerung der Anlagen des Tiergartens erfolgt mit einem Schöpfrad aus dem Mühlbach und somit ausschließlich unter Nutzung der kinetischen Energie des Wassers bzw. der Schwerkraft.
Verkehr
Der Welser Tiergarten liegt in der Innenstadt und ist somit aus vielen Wohngebieten fußläufig erreichbar. Er verfügt über eine eigene Bushaltestelle („Tiergarten- Herminenhof“) und liegt in unmittelbarer Nähe des Lokalbahnhofs und der Bahnhaltestelle „Wels Messe“ entlang der Almtalbahn. So ist sowohl von den beiden Eingängen im Norden als auch vom Eingang im Süden die Bahn schnell und barrierefrei erreichbar. Der Eingang im Süden war seit Jahrzehnten durch den Messebetrieb immer wieder verschlossen, dieses Problem wurde mit einem zusätzlichen Zaun im Frühling 2026 gelöst.
Der sehr beliebte Traunradweg R4 verläuft nur rund 300 Meter südlich des Tiergartens, so dass ein Erreichen per Fahrrad (via der neuen „Tiergartenallee“) ebenso ausgezeichnet möglich ist und selbst von Besucher*innen aus Linz oder dem Bezirk Vöcklabruck genutzt wird. Alle drei Eingänge sind mit Radständern versehen, bei Veranstaltungen wird eine klimafreundliche Anreise beworben (bzw. etwa auch bei Aktionen des Klimabündnis „belohnt“). Innerhalb des Tiergartens wurden das wesentliche Transportfahrzeug, ein Kleinst-LKW, 2022 auf Elektromobilität umgestellt. Die Mitarbeiter*innen können für sich ein „Jobrad“ leasen.
Ernährung
Die möglichst klimaneutrale Ernährung hunderter Tiere unterschiedlichster Arten stellt eine enorme Herausforderung dar. Gerne gehen wir auf die im Tiergarten benötigten Futtermittel ein:
- Laub, Zweige, Geäst: Wird zur Gänze aus dem Grün- und Strauchschnitt der Stadtgärtnerei gedeckt, weiters auch aus der Christbaumsammlung. Auch der große Christbaum des Welser Stadtplatzes wird Jahr für Jahr den Bartaffen als Nahrung und Tummelplatz zur Verfügung gestellt.
- Obst/Gemüse: Paprika, Tomaten und Gurken werden von den Lehrlingen der Stadtgärtnerei gezüchtet. Hinzu kommen Spenden aus nicht mehr verkaufbaren Obst und Gemüse aus dem Großhandel.
- Insekten: Heimchen sowie Larven werden selbst gezüchtet
- Eier: werden von den eigenen Hühnern gelegt
- Fisch und Fleisch stammt ebenfalls teilweise aus Eigenproduktion
Lebensmittel, die nicht vom Tiergarten oder der Stadtgärtnerei selbst produziert werden, werden aus regionalen und wenn möglich aus biologisch zertifizierten Betrieben angekauft. Weiters verleihen wir Schafe an die ASFINAG, um an schwer zugänglichen Stellen entlang der Autobahn Mäharbeiten durchzuführen.
Bildung
Als Kategorie A-Zoo haben wir einen ganz klaren Bildungsauftrag, was das Vermitteln von Themen aus den Bereichen der Zoologie, Biologie, des Arten-, Tier- und Naturschutzes und natürlich auch der Auswirkungen des Klimawandels auf Flora und Fauna betrifft. Letzterer wurde und wird besonders in den Focus gerückt. Seit 2024 gibt es einen eigenen Workshop „Der Klimawandel und die Tierwelt – Entdeckungsreise im Tiergarten Wels“ für 8 bis 14-jährige, der in Kooperation mit dem Klimabündnis angeboten und sehr gut angenommen wird. 2025 wurde mehrere Monate lang die Ausstellung "Apfel, Ahorn, Avocado – Bäume und Menschen im Spannungsfeld von Klimakrise und Nachhaltigkeit" gezeigt. Ab Ende 2026 soll diese dauerhaft im Tiergarten verbleiben. Auch auf den Artentafeln, in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird das Thema immer wieder erwähnt. Bei Veranstaltungen gibt es Infostände des Klimabündnisses oder der Naturschutzabteilung des Landes OÖ.
Abfallentsorgung
Die Abfallentsorgung ist natürlich eine Herausforderung. Tierische Produkte werden so gut es geht wieder verwertet: So wird etwa das Wollvlies unserer Zackel- und Ouessantschafe nach der Schur als Dünger in den Boden eingearbeitet. Die Infrastruktur für die Besucher*innen wurde 2025 deutlich verbessert: So wurden weitere Rückgaberöhren für die Kartonbecher aus den Futterautomaten angeschafft, so dass diese wieder verwendet werden können. Als erste Einrichtung in Wels haben wird auch Pfandringe an den Abfallbehältern montiert, diese werden sehr gut angenommen. Durch den Einwegpfand, aber eben auch diese Maßnahmen hat sich das Restmüllvolumen in kurzer Zeit um rund 50 % reduziert. Bei Veranstaltungen im Tiergarten wird ausschließlich Mehrweg-Geschirr verwendet, dieses wird vor Ort in einem Geschirrmobil gereinigt. Auch das Buffet verwendet Mehrweggeschirr.
Klimawandelanpassung
Durch die Wasserläufe und die hohen, Schatten spendenden Bäume hat der Tiergarten hat in Wels die Funktion einer kühlenden Oase. Um die Aufenthaltsqualität bei Hitze weiter zu verbessern wird demnächst ein zweiter Trinkwasserbrunnen installiert. Wasserentnahme ist auch in der frei zugänglichen öffentlichen Toiletten-Anlage möglich. Für die Beschattung bestimmter Orte, etwa der Sandkiste am Spielplatz, wurden zusätzliche Bäume eingepflanzt. Für 2027 ist auch ein Sonnencremespender geplant.
Ausblick, geplante Weiterentwicklungen
2027 findet die Landesgartenschau in Wels statt, der Tiergarten wird einer der Schauplätze sein. Das dafür bereits genehmigte Budget von 1,6 Millionen Euro fließt in Gebäudesanierungen, den klimaneutralen Neubau der Quarantänestation und die weitere klimafitte Begrünung des Parkes. Eine ganze zoologische Anlage „klimafit“ zu machen stellt ob der vielfältigen Herausforderungen eine ganz spezielle Leistung dar. Zu berücksichtigen gab bzw. gibt es die große Menge an alten Bäumen, unterschiedlichste Gebäudetypen (ca. 15), zahllose technische und budgetäre Herausforderungen, Probleme mit Extremwetterereignissen (v. a. Sturmschäden): das alles bei einem Betrieb, der 365 Tage im Jahr geöffnet hat. Viele Umsetzungen können beispielhaft für andere Zoos oder Wildparks dienen.
Zusammenfassung
- Ökologische Effekte: Exakte Zahlen zur Senkung des Energieverbrauchs sind in Ermangelung von Vergleichszahlen leider schwer möglich. Das Ende von Öl und Gas im Tiergarten und die sonstigen geschilderten Maßnahmen bringen ab zweifellos einen großen ökologischen Effekt.
- Wirtschaftliche Effekte: Die laufende Modernisierung des Tiergartens stößt auf sehr großen Zuspruch in der Bevölkerung. (Benotung Tripadvisor 4,3 von 5 (damit Nr. 1 bei Zoos in Oberösterreich und Nr. 1 bei Freizeitdestinationen im Großraum Wels; Google-Benotung 4,6 von 5).
- Soziale Effekte: Die Besucherzahl von 250 000 bis 300 000 Menschen im Jahr bietet großartige Möglichkeiten, diese in schöner und entspannter Atmosphäre auch mit ernsten Themen wie eben dem Klimawandel in Auseinandersetzung zu bringen. Da der Tiergarten kostenlos und barrierefrei zugänglich ist und sehr gut erreichbar ist, steht er wirklich allen offen.
Weitere wichtige Aspekte des Projekts
Tiergarten und Tiergartenverein sind national und international vernetzt, man beteiligt sich an verschiedenen Erhaltungszucht- und Auswilderungsprogrammen, hilft im Katastrophenfall nach Extremwetterereignissen (z. B. Dürre im Burgenland 2023, Hochwasser in Niederösterreich 2024) durch Geldspenden und temporäre Rettung und Aufnahme von Tieren.
Thomas Rammerstorfer
Umwelt- und Klimastadtrat, Tiergartenreferent





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