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Mitfiebern mit der Vogelkinderstube!

  • Autorenbild: Flor
    Flor
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Nistkastenprojekt im Tiergarten Wels gestartet

Jetzt beginnt wieder eine der spannendsten Zeiten im Jahr: die Brutsaison. Überall sind Vögel emsig mit den Vorbereitungen beschäftigt. Man sieht Amseln um ihre Brutreviere kämpfen, und der vielstimmige Morgenchor der Vögel dient ebenfalls der Revierabgrenzung – aber auch der Partnersuche.

Denn wer nicht wie Gänse oder Kraniche in lebenslanger Partnerschaft lebt oder wie Störche und Reiher Jahr für Jahr zum selben Nest zurückkehrt, ist jetzt intensiv mit der Partnerwahl beschäftigt. Ist diese getroffen, beginnt der Nestbau – oft mit erstaunlichem Aufwand. So errichten etwa Zaunkönige gleich mehrere kunstvolle Kugelnester, um bei potenziellen Partnerinnen Eindruck zu machen.

Nach dem geduldigen Brüten folgt der wohl anstrengendste Teil: die Aufzucht der Jungen. Unermüdlich fliegen die Elternvögel hin und her, um die hungrigen Schnäbel ihrer Nestlinge zu füllen. Trotz dieses enormen Einsatzes verläuft nicht jede Brut erfolgreich. Kälteeinbrüche oder anhaltender Regen können ganze Gelege gefährden. Dennoch und auch gerade deswegen haben viele Vogelarten zwei Bruten im selben Jahr.


Forschung hautnah erleben

Unterstützung erhalten unsere heimischen Höhlenbrüter nun im Tiergarten Wels: Hier ist ein Nistkastenprojekt gestartet, das nicht nur Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprogramms ist, sondern auch Besucherinnen und Besuchern spannende Einblicke ermöglicht. Denn man kann den Biologinnen und Biologen direkt über die Schulter und in die Nistkästen schauen. Die Biologin Dido Frigerio hat das bereits an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal (KLF, eine Forschungsstation der Universität Wien) initiiert und sie begleitet das Projekt im Tiergarten Wels.


Wissenschaft im Detail

In Kooperation mit und nach dem Standard der Österreichischen Vogelwarte AOC werden die Nistkästen wöchentlich kontrolliert. Zum passenden Zeitpunkt werden die Küken von den Biologinnen Tatjana Vogel, Veronika Weinhäupl und Josef Hemmetsberger vermessen und beringt. So lässt sich jeder beringte Vogel später eindeutig seinem Beringungsort zuordnen.

Die gewonnenen Daten fließen in einen langfristigen Datensatz ein und helfen, wichtige Fragen zu beantworten:

  • Wie entwickelt sich der Bruterfolg?

  • Wie verändert sich die Kondition der Vögel?

  • Welche Trends zeigen die Populationen?


Eine Welt voller Überraschungen

Derzeit sind ein Dutzend Nistkästen installiert – in Zukunft sollen es etwa fünfzig Nisthilfen werden. Im Fokus stehen vor allem Höhlenbrüter wie Kohl- und Blaumeisen. Doch auch viele andere Arten wie Rotkehlchen, Baumläufer oder sogar der Waldkauz und selbst Fledermäuse stehen im Programm.

„Es ist jedes Mal spannend, in einen Nistkasten zu schauen und zu sehen, was sich seit der letzten Kontrolle getan hat“, berichten die Biologinnen. Mal ist in einer Woche ein großes Moospolster gebaut worden, mal ein Wespennest – oder es findet sich sogar eine Äskulapnatter im Nistkasten. Manchmal lässt sich der Kasten kaum öffnen, weil ein Kleiber die die Fugen zugemörtelt hat. Und so eine Vogelkinderstube kann ordentlich voll sein: Bis zu 14 Blaumeisenküken können in einem Nest eng beieinander zusammengekuschelt sein.


Mitmachen und entdecken

Haben Sie Lust, dabei zu sein? Dann melden Sie sich über folgenden Link von Naturschauspiel für eine Führung demnächst an: https://naturschauspiel.at/tour/vogelvielfalt-in-oberoesterreich/

Naturschauspiel ist eine Plattform für Naturvermittlung des Land Oberösterreich. Die BiologInnen des Nistkastenprojektes bringen nicht nur viel Fachwissen, sondern auch Anschauungsmaterial mit und können die Führungen auch sehr individuell gestalten (auch Vorab-Informationsbesuche etwa bei Kinderbetreuungseinrichtungen). Finanzielle Förderung ist möglich – nähere Informationen erhalten Sie beim Referenten des Tiergartens Wels, Stadtrat Thomas Rammerstorfer (thomas.rammerstorfer@wels.gv.at).


Mich freut dieses Projekt besonders, weil es Wissenschaft, Naturschutz und Begeisterung verbindet – und uns einen einzigartigen Blick in die verborgene Welt der Vögel schenkt.


Text: Dr. Gyula Gajdon, Zoologischer Leiter Tiergarten Wels


Bild: Die Biologinnen Tatjana Vogel und Veronika Weinhäupl bei der Nistkastenkontrolle im Tiergarten Wels. Kohlmeise mit Küken (Photo Credits T. Vogel).



 
 
 

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