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Naturpark Tiergarten Wels: Der Juchtenkäfer


Der Tiger zieht als Flaggschiffart für den Artenschutz, weil vom Schutz dieser populären Art andere Tierarten ebenfalls profitieren. Die Wälder in denen die Tiger leben, binden auch Kohlendioxid. Das Unterbinden von Rodungen in Tiger-Naturschutzgebieten ist also auch Klimaschutz, der letztlich ebenfalls für den Menschen wichtig ist.

Doch es muss nicht immer ein bereits auf den ersten Blick so spektakuläres und großes Tier sein wie der Tiger, wofür es sich lohnt, zumindest ein „Mikro-Naturschutzgebiet“ zu gründen. So ist etwa der auffällige aber extrem selten gewordene Alpenbock (Rosalia alpina), ein zwei bis vier Zentimeter großer, blauer Bockkäfer mit schwarzen Punkten und langen Fühlern, durch seinen Schutz auf europäischer Ebene zunehmend bekannt geworden. Der Alpenbock braucht keine Urwälder aber stehende, teilweise besonnte, tote Buchenstämme, die man an den richtigen Standorten als Mini-Naturschutzgebiet stehen lassen sollte.


Überhaupt sind tausende von Käfer- und Großpilzarten auf Totholz angewiesen. Schützt man eine auf Totholz angewiesene Tierart, wie Beispielsweise den Juchtenkäfer, fungiert diese Art als Schirmart für den Schutz vieler anderer Arten ebenfalls. Der seltene und wie der Alpenbock ebenfalls zwei bis vier Zentimeter große Juchtenkäfer (Osmoderma eremita) sieht wie ein riesiger dunkler Rosenkäfer aus. Im Tiergarten Wels wird bewusst viel Totholz stehen und liegen gelassen. Und so ist es eine besondere Entdeckung, als Julian Sturmberger, Revierleiter des Tiergartens und Vorstandsmitglied unseres Vereins, am 26. Juni dieses Sommers im Tiergarten Wels ein Exemplar dieses seltenen Käfers am Boden vor dem Luchsgehege entdeckte. Als leidenschaftlicher Fotograf hat er den Juchtenkäfer auch gleich fotografiert. Denn für den seltenen Käfer ist in einer Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union (Anhang II und IV der FFH-Richtlinie) erwähnt, dass „für deren Art der Gemeinschaft … besondere Verantwortung zukommt.“


Die erwachsenen Männchen der Juchtenkäfer verbringen oft ihr ganzes Leben in einer Baumhöhle (die Käfer werden daher auch Eremit genannt), wo sie ihren ebenfalls namensgebenden, nach Juchtenleder riechenden Sexuallockstoff verströmen. Die Weibchen legen einige Duzend Eier in den sogenannten Schwarzen Mull, also unter Mitwirkung von Großpilzen sich zersetzendes Holz der Baumhöhle. Dort verpuppen sich die Larven nach erst drei bis vier Jahren mit einer stattlichen Größe von rund siebeinhalb Zentimeter.

Gebiete, in denen der Juchtenkäfer vorkommt, sind schützenswert. Insbesondere sind die Brutbäume zu schützen und dazu ebenfalls Bäume mit Faulstellen zu berücksichtigen. Das steht oft im Gegensatz z.B. mit der Wegesicherung, wofür angefaulte Bäume beseitigt werden müssen. Aber gerade solche Sanierungsmaßnahmen in Parkanlagen und das Verdrängen naturnaher Wälder haben den Käfer so selten lassen werden. Wir wissen nicht, ob und wo Brutbäume des Juchtenkäfers im Tiergarten stehen. Aber das bewusste und im Einklang mit der Wegesicherung umsichtige Fördern von Totholz macht den Fund des schillernden Käfers schon auch zu einer glänzenden Auszeichnung für die Stadtgärtnerei im Tiergarten!

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